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Painting of Maestoso II Catrina ridden by Shana Ritter. Painting by Janey Belozer.




Thomas and Shana Ritter perform a Pas-de-Deux to Music during the 2007 Open House Performance, aboard the Lipizzan stallions, Favory Toscana-18 and Conversano Mima. Photo by Amelia Gagliano.

Kreislauf der Hilfen
- by Dr. Thomas Ritter

©2005 - All Rights Reserved
English version: Circle of the Aids

"Auch die Reihenfolge der Hilfen spielt in der Versammlungsarbeit eine Rolle: Erst kommt der Schenkel, der die Hinterbeine zum Untertreten bringt, dann das Gewicht, das die vortretenden Hinterbeine biegt und den Pferdekörper an die Hand heranschiebt, zum Schluß die begrenzende und biegende Wirkung der Hand.

"Das Endergebnis der Arbeit muß ein elastisches Pferd, eine unbelastete Hand und ein im Schwerpunkt des Pferdes mitgehender, federnder Sitz des Reiters bei aktivem, den Schwung und damit die Versammlung unterhaltenden Schenkel sein; das Pferd muß durch den Schwung von rückwärts von selbst unter den Sitz treten und sich, indem es das Gewicht des Reiters mit seinen Hinterbeinen aufnimmt, von selbst deren Biegung und den Impuls zum Schwingen holen.“

G.v.Dreyhausen, Grundzüge der Reitkunst (1951, 65).

Der Kreislauf der Hilfen ist eines der grundlegendsten Prinzipien, die der Reitschüler zu erlernen hat. Man kann ihn auf verschiedene Weise erklären. Dieser Kreislauf der Hilfen ist deshalb so wichtig, weil er auf die Kohärenz und die Kohäsion der Reiterhilfen Bezug nimmt. Man kann es mit der Syntax in natürlichen Sprachen vergleichen, die die Wortreihenfolge im Satz festlegt und damit Worte mit einander verbindet und ihnen Sinn verleiht, die sonst zusammenhanglos nebeneinander stünden. Er macht das Orchester der Hilfen größer und bedeutungsreicher als die Summe seiner einzelnen Instrumente.

Wie Gustav von Dreyhausen im obigen Zitat andeutet, beginnt der Kreislauf der Hilfen mit einer, wenn auch noch so kleinen, vortreibenden Schenkel-oder Gertenhilfe, da es die Aufgabe des Schenkels und der Gerte ist, die Hinterbeine dem Schwerpunkt näher zu bringen und darauf zu achten, daß sie dort verbleiben. Im Rahmen der gegenwärtigen Diskussion könnte man ebenfalls sagen, daß der Schenkel den gleichseitigen Hinterfuß in den Einflußbereich des Kreuzes bringt. Wenn die Hinterbeine hinter dem Pferde her schleifen und der Rücken folglich durchängt, sind sie für die Kreuz- und Zügelhilfen unerreichbar. Jegliche Versuche, auf einem auseinandergefallenen Pferd Kreuzhilfen zur Anwendung zu bringen, werden nur dazu führen, daß der Rücken mehr weggedrückt wird und mehr schmerzt. Das heißt die Hinterbeine werden in diesem Falle durch die Kreuzhilfe sogar daran gehindert weiter unterzutreten.

Die Schenkelhilfe kann nur dann ihre Aufgabe erfüllen, wenn die Wade in leichter Fühlung mit dem Pferdeleib verbleibt – und das ist der Punkt an dem so viele Reiter scheitern bevor sie noch eine Hilfe erteilt haben. Der Grund hierfür ist folgender: Ein Schenkel, der lose in der Luft hängt, kann nichts fühlen, da er zu weit vom Pferdeleib entfernt ist. Jegliche Hilfe der baumelnden Wade kommt zu spät, weil es zu lange dauert, die Lücke zwischen dem Schenkel und dem Pferdeleib zu schließen. Da sie ohne Vorwarnung erfolgt, wird die Hilfe das Pferd überraschen und wahrscheinlich erschrecken, vor allem wenn das Pferd von Natur aus ohnehin temperamentvoll und nervös ist. Andererseits kann ein klemmender Schenkel auch nichts fühlen, da verkrampfte Muskeln die kleineren und größeren Veräderungen im Muskeltonus des Pferdes nicht wahrnehmen können. Die meisten Reiter, gleich welcher Ausbildungsstufe, reiten entweder ohne jede Schenkelfühlung, oder mit einem Klammerschenkel, als ob sie ihrem armen Pferd die Luft aus den Lungen pressen wollten. Da ihre Pferde infolgedessen nicht am Schenkel stehen, hinten ausbleiben und den Rücken wegdrücken, können sie auch nicht am Kreuz stehen, und ein Pferd, das weder am Schenkel noch am Kreuz ist, kann auch niemals am Zügel sein.

Wenn die Hinterbeine in den Einflußbereich des Kreuzes kommen, das heißt, wenn der Reiter jeden Hinterfuß deutlich unter seinen Gesäßknochen fühlen kann, dann dirigiert das Kreuz die Energieimpulse, die die Hinterbeine dem Rückgrat entlang nach vorne aussenden und kann Gangart, Takt, Tempo, Trittlänge und die Bewegungsrichtung genau bestimmen. Das ist der Grund warum das Kreuz manchmal als der Dirigent im Orchester der Hilfen bezeichnet wird.

Das Kreuz kann auch die Schubkraft und Tragkraft der Hinterbeine regulieren. Dies kann natürlich nur dann Erfolg haben, wenn sich das Reiterbecken senkrecht und gerade in seiner „neutralen“ Position im tiefsten Punkt des Sattels befindet, so daß es sich zur Hilfengebung gleichmäßig weit in alle Richtungen drehen oder neigen kann.

Die Muskeln, die am meisten zur Beherrschung des Kreuzes und seiner Hilfen beitragen, sind rund um die Taille des Reiters angebracht. Das Kreuz ist verankert durch die eingedrehten Oberschenkel und tiefen Kniee, die dem Oberkörper des Reiters Stabilität und Unabhängigkeit verleihen, ähnlich den Wurzeln eines Baumes, die den Stamm am Umfallen hindern.

Das Kreuz des Reiters leitet und koordiniert nicht nur die von den Hinterbeinen ausgehenden Energieimpulse. Es verbindet auch die Vorhand mit der Hinterhand des Pferdes. Man kann beobachten, daß ein geschlossener Gleichgewichtssitz ein geschlossenes Pferd mit schwingendem Rücken hervorbringt. Wenn das Reiterkreuz dagegen schlapp wird und die Verbindung sowohl zwischen Schenkel, Kreuz und Hand als auch zwischen Vorhand und Hinterhand unterbricht, dann drückt auch das Pferd seinen Rücken weg, kommt hinter den Schenkel und über den Zügel. Mit anderen Worten, die Mittelpositur des Reiters verbindet sich mit dem Pferderücken und leitet die Energieimpulse der Hinterbeine durch den Widerrist, die obere Halsmuskulatur und das Genick zum Pferdemaul, wo sie sich der Reiterhand mitteilen – sofern die Hand durch den angelegten Ellbogen mit der Mittelpositur verbunden ist. Wenn die Ellbogen sich zu weit von der Reiterhüfte entfernen, wird die Verbindung zwischen Hand und Kreuz unterbrochen, d.h. die Zügelhilfen beschränken sich auf das Maul, anstatt die Hinterbeine zu erreichen, so daß der Kreislauf der Hilfen nicht geschlossen werden kann. Wenn hingegen die Oberarme und Ellbogen des Reiters leicht an den Oberkörper angelegt werden, können die Impulse der Hinterhand durch das Rückgrat des Pferdes und das Kreuz des Reiters hindurch bis zum Pferdemaul weitergegeben werden und durch Zügel, Handgelenke, Ellbogen und Gesäßknochen zu den Hinterbeinen zurück geschickt werden, wo sich der Kreislauf schließt. Wenn Pferd und Reiter auf diese Weise mit einander verbunden sind, dann kommunizieren die Hände mit den Hinterbeinen statt mit dem Maul. Der Reiter kann dann den gleichseitigen Hinterfuß in seiner Hand fühlen, und die Zügelhilfen können vielfältige Aufgaben erfüllen.

Sie können unter anderem Gewicht vom Pferdehals und Kopf “borgen” und es dem Reitergewicht hinzufügen, um die Hanken vermehrt zu biegen. Das Kreuz verwandelt die Zügelhilfe in diesem Falle in eine Gewichtshilfe. Durch die Verbindung des Ellbogens und Oberarms mit dem Oberkörper kann die Hand sozusagen eine Verlängerung der Gesäßknochen werden. In dieser Funktion kann die Hand das Kreuz unterstützen. Sollte das Pferd die Kreuzhilfen ignorieren und unter dem Reiter weglaufen wollen, wird es der Hand begegnen, die es direkt an das Kreuz zurück verweist. Sollte das Pferd andererseits anfangen, mit seinen Hinterbeinen hinten auszubleiben, schicken es die Reiterschenkel vorwärts zum Kreuz. Langfristig gesehen übernehmen Hand und Schenkel mehr und mehr eine Überwachungsfunktion. Solange die Hinterbeine weder hinten ausbleiben noch das Pferd versucht unter dem Reiter wegzulaufen, können Hand und Schenkel zwar aufmerksam, doch relativ passiv bleiben. Die ungeteilte Aufmerksamkeit des Reiters ermöglicht es ihm sofort aktiv einzuschreiten, wenn das Pferd sich vom Kreuz losmachen sollte.

Dies ist eine etwas vereinfachte Darstellung des Kreislaufs der Hilfen in groben Zügen. Die Realität ist etwas komplexer, doch kann sie als Ausgangspunkt für das Verständnis des Zusammenhanges der Hilfen untereinander dienen. Als Faustregel ist es eine gute Idee, zuerst eine Schenkelhilfe einzusetzen, um einen ausreichenden Energiefluß sicherzustellen. Das Kreuz folgt unmittelbar darauf, und die Hand beschließt den Kreislauf. Wie in einem elektrischen Stromkreis sind alle Elemente des Hilfenkreislaufs notwendig. Wenn auch nur eine der Hilfen fehlt oder falsch eingesetzt wird, kann der Kreislauf der Hilfen nicht zustande kommen. Das Pferd bleibt in sich unverbunden, und die Verständigung zwischen Pferd und Reiter bricht zusammen. Auch die oft mißverstandenen und mißbrauchten Zügelhilfen sind ein integraler Bestandteil des Hilfenkreislaufs, der ohne sie nicht zustande kommen kann.

mißverstandenen und mißbrauchten Zügelhilfen sind ein integraler Bestandteil des Hilfenkreislaufs, der ohne sie nicht zustande kommen kann.





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